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In einer Hypnosesitzung kommt man immer wieder an den Punkt an dem ein Klient Jemandem aus seiner Vergangenheit vergeben soll. Verständlicherweise ist dies für den Klienten im ersten Schritt nicht immer einfach. Denn viele fragen sich, ob vergeben nicht auch gleichzeitig vergessen bedeutet. Oder schlimmer noch: heisst es vielleicht sogar dass man gut heisst, was passiert ist.

Aber stimmt das?

Vor einer Woche habe ich im Radio ein Interview mit der Holocaust Überlebenden Eva Mozes Kor gehört. Sie hat Ihre Eltern in Auschwitz verloren und später an den Spätfolgen auch Ihre Schwester. Im Interview hat sie von Ihrem Leben erzählt und wie sie zur Verarbeitung des Erlebten ein Museum gegründet hat.

In Ihrem „Holocaust Museum & Education Center“ geht es um die Darstellung der Geschichte an sich. Doch was ihr noch viel wichtiger ist,  ist es die Menschen dazu aufzurufen, den Weg der Vergebung zu gehen und Ihren Peinigern zu vergeben. Denn nur dadurch kann man in Ihren Augen die Opferrolle verlassen. Sie sagt: nur wenn man vergibt kann man frei sein.

Und genau das ist es, was wir auch mit der Vergebung in der Hypnose anstreben.

Wenn ein Klient vergibt heisst das nicht, dass er das gut heisst, was ihm in der Vergangenheit widerfahren ist. Es heisst auch nicht, dass er vergisst oder jemals vergessen wird, was passiert ist. Aber der Klient holt sich ganz bewusst die Kontrolle über das eigene Leben wieder. Denn Vergeben bedeutet auch Macht: die Macht, sich von etwas loszusagen, dass einen im eignen Tun behindert und das Leben schwer macht. Wenn man vergibt ist man endlich wieder frei!

Und hat man darauf nicht ein Recht? Auf ein selbstbestimmtes Leben?

Ich denke schon und gönne es jedem!

Eure

Ruth